2. Technik und Sicherungseinrichtungen
Wissen Klasse T
- 2.1 Bremsen
- 2.1.1 Betriebsbremse, hydraulische Bremse
- 2.1.2 Druckluftbremse
- 2.1.3 Auflaufbremse und Feststellbremse
- 2.1.4 Einzelradbremsen
- 2.1.5 Unterlegkeile
- 2.2 Lenkung
- 2.3 Räder/Bereifung
- 2.4 Anbaugeräte und Ladung
- 2.5 Be- und Entlastung der Achsen
- 2.6 Betriebsgeschwindigkeit
- 2.7 Ladung
2.1 Bremsen
1) Wichtige Begriffe & Systemübersicht
- Betriebsbremse (Fußbremse): Wirkt auf alle/mehrere Räder; dosierbar; Hauptbremse im Fahrbetrieb.
- Feststellbremse (Parkbremse): Mechanisch/hydraulisch gesichert; Fahrzeug im Stand gegen Wegrollen sichern. Nicht zum Verzögern während der Fahrt.
- Zusatzbremsen: Motorbremse/Getriebebremse/Retarder. Entlasten die Betriebsbremse, vor allem bergab.
- Anhängerbremse (Übersicht): Auflauf-, hydraulische oder druckluftbetätigte Bremse; Details in späteren Kapiteln. Abreißsicherung prüfen.
- ABS/ASR/ESC/EBS: Fahrerassistenz für Stabilität. ABS verhindert Blockieren – Pedal bei Vollbremsung fest halten und lenken.
- Rechtsgrundlagen (Hinweis): StVZO § 41 (Bremsanlagen), StVO § 3 (Geschwindigkeit), § 4 (Abstand) – vorausschauend, situationsangepasst fahren.
2) Schritt‑für‑Schritt: Sicher bremsen
- Blick & Vorbereitung: Weit voraus schauen, früh Gas weg. Beide Hände ans Lenkrad.
- Normale Bremsung: Druck stetig steigern. Kupplung erst spät treten, damit die Motorbremse mitwirkt.
- Gefahrbremsung: Bremse voll durchtreten, Kupplung zügig dazu, damit der Motor nicht abwürgt. Mit ABS: Pedal halten und dorthin lenken, wo du hinwillst. Ohne ABS: Treten und festhalten, lenken ist nur möglich wenn die Bremse gelöst wird!
- Mit Anhänger/Zug: Gerade halten, keine ruckartigen Lenkbewegungen. Tempo früh reduzieren, Abstand vergrößern.
- Bergab: Rechtzeitig einen kleinen Gang wählen, Zusatz-/Motorbremse nutzen, keine Dauer‑Schleichbremsung (Überhitzungsgefahr).
3) Physik und Faustformeln – einfach erklärt
- Reaktionszeit: ca. 1 s (Ablenkung, Müdigkeit = länger). Faustformel Reaktionsweg:
v/10 * 3(m), v in km/h. - Bremsweg (trocken, gut Reifen):
(v/10) * (v/10)(m). Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg. - Beispiele:
- 50 km/h: Reaktion ≈ 15 m + Bremsweg ≈ 25 m → ≈ 40 m Anhalteweg.
- 80 km/h: Reaktion ≈ 24 m + Bremsweg ≈ 64 m → ≈ 88 m Anhalteweg.
- Wichtig: Mit Anhänger, Nässe/Schnee, Gefälle oder Beladung wird der Weg deutlich länger.
4) Einflussfaktoren auf den Bremsweg
- Geschwindigkeit: Verdoppelt sich v, vervierfacht sich (näherungsweise) der Bremsweg.
- Reifen: Profil, Gummi, Luftdruck, Temperatur.
- Fahrbahn: Nässe, Schmutz, Schotter, Eis → weniger Grip.
- Beladung/Anhänger: Höheres Gewicht, ungünstige Achs‑/Stützlasten verlängern den Weg und verschlechtern die Spurtreue.
- Gefälle: Hangabtriebskraft addiert sich → niedriger Gang, Motorbremse.
- Bremsanlage: Zustand/Temperatur (Fading), gleichmäßige Wirkung links/rechts.
- Assistenzsysteme: ABS hält lenkbar, ersetzt aber keinen Abstand.
5) Prüfungen/Checks und Bremsprobe
- Sicht‑/Funktionscheck vor Fahrt: Pedalweg und ‑gefühl (nicht schwammig), Warnlampen (ABS) aus, Bremsflüssigkeits‑/Druckanzeige i. O., Leitungen dicht (Hydraulik/Luft), Feststellbremse löst vollständig.
- Bremsprobe:
- Standprobe: Hält das Fahrzeug am leichten Hang? Zieht die Feststellbremse sicher?
- Rollprobe (10–15 km/h): Kräftig bremsen → der Zug bleibt spurtreu, keine einseitige Blockier‑/Schlingerneigung.
- Mit Anhänger: Leitungen spannungsfrei verlegt, Kupplung gesichert, Abreißsicherung korrekt, keine Lecks; Bremswirkung passt zum Zug (kein „Schieben“).
6) Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Zu spätes/zu zaghaftes Bremsen → vorausschauend fahren, früh Druck aufbauen.
- Kupplung zu früh gedrückt → Normalbremsung: Kupplung erst kurz vor Stillstand (mehr Verzögerung, bessere Stabilität).
- Bei ABS Pedal lösen → falsch; halten und lenken.
- Bergab im Leerlauf → verboten/gefährlich; kleiner Gang + Zusatzbremsen.
- Abstand zu gering → mindestens 2‑Sekunden‑Regel; mit Anhänger/Nässe eher 3 s.
- Dauerbremsen → Fading → Bremsphasen mit Motorbremse kombinieren, Abkühlpausen.
Prüfungskern (Merksatz)
„Ich bremse vorausschauend und dosiert, halte Abstand, nutze bergab die Motorbremse und mache vor der Fahrt eine Bremsprobe. In Gefahr: voll bremsen, Kupplung zügig, blickführen und lenken.“
Praxis‑Drill „Brems‑Check & Bremsprobe“ (3–5 Min.)
- Kontrollleuchten prüfen (ABS aus, keine Warnung), Pedalgefühl testen.
- Hydraulik/Luft: Füllstand/Druck i. O.; Leitungen dicht und spannungsfrei.
- Feststellbremse: Hält sicher am leichten Hang.
- Rollprobe 10–15 km/h: Kräftig bremsen → Spurtreue prüfen; mit ABS Pedal halten.
- Bergab‑Strategie festlegen: passender Gang + Motorbremse.
- [ ] Pedal fest, Weg normal
- [ ] Warnlampen aus, Druck/Füllstand i. O.
- [ ] Leitungen dicht/korrekt verlegt
- [ ] Rollprobe spurtreu bestanden
- [ ] Bergab‑Plan steht
Sinnvolle Medien zum Einbau
- Poster/Fotokarten: Anhalteweg vs. Geschwindigkeit (Faustformeln), Reifen‑Einfluss.
- Kurzvideos (30–60 s): Gefahrbremsung mit/ohne ABS, richtige Pedaltechnik.
- Hof‑Demo: Markierte Bremswege (30/50/80 km/h) zum Einschätzen; „Fading‑Versuch“ im sicheren Rahmen erklären.
- Checklisten‑Kärtchen/QR: „Brems‑Check & Bremsprobe“ (Fahrschule Eling) fürs Handschuhfach.
Kleine Übungsfragen
- Wie lautet die Faustformel für Reaktions‑ und Bremsweg? Rechne für 80 km/h.
- Warum trittst du bei der Normalbremsung die Kupplung erst kurz vor dem Stillstand?
- Was machst du bei einer Gefahrbremsung mit ABS – und was ohne ABS?
- Nenne drei Einflussfaktoren, die deinen Bremsweg deutlich verlängern.
- Wie gehst du eine lange Bergabfahrt mit Zug an?
Hinweis: Spezielle Bremsanlagen (Auflauf-, hydraulische, Druckluft‑, elektrische Systeme, ALB/EBS) und deren Besonderheiten folgen in den nächsten Abschnitten zu 2.x.
2.1.1 Betriebsbremse, hydraulische Bremse
1) Aufbau & Begriffe
- Pedal (Betriebsbremse): Beim Traktor oft geteilt (linkes/rechtes Pedal) für enge Wendungen auf dem Feld. Auf der Straße: Pedale koppeln!
- Hauptbremszylinder (HBZ): Wandelt Pedaldruck in hydraulischen Druck um.
- Bremskraftverstärker: Unterdruck-/Hydraulik‑Verstärkung → weniger Pedalkraft nötig.
- Zweikreis‑System: Zwei unabhängige Kreise (z. B. diagonal oder achsweise) für Sicherheit bei Ausfall eines Kreises.
- Leitungen/Schläuche: Stahlleitungen und flexible Bremsschläuche leiten den Druck zu den Rädern.
- Radbremsen: Scheibenbremsen, Trommelbremsen oder bei Traktoren häufig Nasslamellenbremsen in den Achsen.
- Ausgleichsbehälter: Enthält Bremsflüssigkeit (hygroskopisch – zieht Wasser), Füllstand MIN/MAX.
- ABS (falls vorhanden): Verhindert Blockieren, Fahrzeug bleibt lenkbar.
- Abgrenzung: Feststellbremse = Fahrzeug im Stand sichern (separates System). Hydraulische Anhängerbremse kommt in 2.1.3 gesondert.
2) Bedienung & Fahrtechnik
- Vor Fahrtbeginn: Pedalweg prüfen (fest, nicht schwammig), Warnlampen aus, Bremsflüssigkeitsstand zwischen MIN/MAX.
- Normale Bremsung: Druck gleichmäßig aufbauen; Kupplung erst kurz vor Stillstand, damit die Motorbremse mithilft.
- Gefahrbremsung: Bremse voll, Kupplung zügig dazu; mit ABS: Pedal halten und lenken.
- Bergab: Früher, kleiner Gang + Motor-/Getriebebremse einsetzen; keine Dauer‑Schleichbremsung (Fading‑Gefahr).
- Mit Anhänger/Zug: Gerade halten, Abstand vergrößern, Tempo früh senken. Bremsprobe durchführen (s. u.).
- Traktor‑Spezial: Straßenfahrt nur mit gekoppelten Pedalen; getrennt nur für langsame Feldmanöver auf abgesperrtem Gelände.
3) Typische Störungen – erkennen & reagieren
- Schwammiges Pedal / langer Weg: Luft im System oder Flüssigkeit überhitzt → anhalten, abkühlen lassen; Werkstatt/Entlüften.
- Pedal sinkt langsam durch: Dichtungs-/Leckproblem → sofort stoppen, Pannenhilfe.
- Schiefziehen beim Bremsen: Ungleiche Bremswirkung (Beläge, Leitungen, Luftdruck) → vorsichtig, prüfen lassen.
- Fading (nach langer Bergabfahrt): Wirkung lässt nach, Geruch → Pause, kleinerer Gang, Zusatzbremsen nutzen.
- Warnleuchte (BRAKE/ABS): Funktion eingeschränkt → defensiv fahren, prüfen lassen; ABS‑Störung: Bremsen möglich, aber ohne ABS‑Hilfe.
4) Pflege/Wartung – was du prüfen solltest
- Bremsflüssigkeit: Richtige Sorte nach Hersteller (z. B. DOT‑Klasse) verwenden, nicht mischen; regelmäßig wechseln (Herstellerintervall), da hygroskopisch → Siedepunkt sinkt.
- Dichtheit: Keine feuchten Stellen an HBZ, Radbremsen, Leitungen/Anschlüssen.
- Schläuche/Leitungen: Risse, Aufquellen, Scheuerstellen → tauschen; Korrosion an Leitungen im Blick behalten.
- Pedalspiel/Kopplung: Freigängigkeit, Rückstellung, Straßenfahrt nur mit gekoppelten Pedalen.
- Nach Arbeiten am System: Immer fachgerecht entlüften und Bremsprobe machen.
5) Bremsprobe mit Zugfahrzeug (hydraulische Betriebsbremse)
- Standprobe: Auf leichtem Gefälle halten; Pedal fest? Fahrzeug rollt nicht?
- Rollprobe (10–15 km/h): Kräftig bremsen → Fahrzeug/Zug bleibt spurtreu, kein Ausbrechen/Schlingern.
- Nach kurzer Bergabfahrt: Erneut prüfen (Wirkung/Fading), ggf. Abkühlpause.
Prüfungskern (Merksatz)
„Ich fahre mit gekoppelten Pedalen auf der Straße, prüfe Pedal, Bremsflüssigkeit und Warnlampen, bremse früh und dosiert und nutze bergab die Motorbremse. In Gefahr: voll bremsen, Kupplung zügig, lenken.“
Praxis‑Drill „Hydraulik‑Betriebsbremse“ (3–5 Min.)
- Flüssigkeitsstand checken, Pedalgefühl testen, Straßenfahrt: Pedale koppeln.
- Standprobe am leichten Hang; anschließend Rollprobe 10–15 km/h.
- Bergab‑Plan: kleiner Gang, Motor-/Getriebebremse; keine Dauerbremsung.
- Nach Probe: Sichtkontrolle auf Leckspuren/Überhitzungsgeruch.
- [ ] Pedal fest, Weg normal
- [ ] Bremsflüssigkeit i. O.
- [ ] Pedale gekoppelt (Straße)
- [ ] Stand‑/Rollprobe bestanden
- [ ] Bergab‑Strategie festgelegt
Sinnvolle Medien zum Einbau
- Poster/Fotokarten: Schema Hydraulikbremse (HBZ, Leitungen, Radbremsen), Pedal‑Kopplung Traktor.
- Kurzvideos (30–60 s): Gefahrbremsung mit ABS, richtige Kupplungsbetätigung bei Normalbremsung.
- Hof‑Demo: Bremsflüssigkeit alt vs. neu (Siedepunkt), Pedal getrennt/gekoppelt vergleichen (nur Gelände!).
- Checkliste/QR: „Brems‑Check Hydraulik“ fürs Handschuhfach (Fahrschule Eling).
Kleine Übungsfragen
- Warum müssen beim Traktor die getrennten Bremspedale auf der Straße gekoppelt sein?
- Woran merkst du, dass sich Luft im System befindet – und wie reagierst du?
- Warum wird alte Bremsflüssigkeit gefährlich, besonders bei Bergabfahrten?
- Wie erkennst du Fading und was ist deine sichere Reaktion?
- Welche Schritte gehören zur Rollprobe (10–15 km/h) mit dem Zugfahrzeug?
Hinweis: Rechtsgrundlagen u. a. StVZO § 41 (Bremsanlagen). Die hydraulische Anhängerbremse (Einleiter) und andere Bremssysteme behandeln wir in den nächsten Unterkapiteln 2.1.x.
2.1.2 Druckluftbremse
1) Aufbau & Begriffe
- Zweileiter‑System (Standard): Rot = Vorratsleitung (Versorgung), Gelb = Steuerleitung (Bremssignal). Alternativ: Duomatic (Kombi‑Kupplung).
- Kompressor mit Lufttrockner/Wasserabscheider → trockene, saubere Druckluft.
- Frostschutzpumpe: Noch weit verbreitet, Sommer/ Winterbetrieb einstellen, Frostschutzmittel regelmäßig prüfen
- Mehrkreisschutzventil und Vorratsbehälter → getrennte Kreise, Ausfallsicherheit.
- Fußbremsventil am Schlepper und Anhänger‑Bremsventil/Relaisventil im Anhänger.
- Bremszylinder am Anhänger (Trommel/Scheibe), ggf. Federspeicher für Feststell-/Notbremse.
- ALB (Automatische lastabhängige Bremskraftregelung) am Anhänger → passt Bremskraft an die Beladung an.
- Altbestand: Einleiter (eine Leitung) kommt noch vor, aber ist technisch überholt. Nicht mit Zweileiter mischen.
2) Richtig kuppeln & in Betrieb nehmen
- Papiere/Kompatibilität: Traktor/Anhänger beide Zweileiter? Kupplungen/Schlauchlängen passend? Abreißsicherung vorhanden?
- Drucklos kuppeln: Schmutz von den Köpfen wischen. Leitungen spannungsfrei führen (keine Knicke/Scheuerstellen).
- Reihenfolge: Erst gelb (Steuer), dann rot (Vorrat) kuppeln. Rot ist nie allein! Bei Duomatic: sauber mittig einrasten lassen.
- Druck aufbauen: Warten, bis Betriebsdruck erreicht ist (Anzeige im grünen Bereich, Warnlampe aus).
- Dichtheit prüfen: Horchen, Sichtkontrolle; Pedal drücken und halten → Druck bleibt stabil, kein deutliches Nachpumpen.
- Leitungen sichern: So verlegen, dass auch bei Volleinschlag/Ein- und Ausfederung nichts spannt.
3) Fahrtechnik & Sicherheit
- Bremsprobe vor Abfahrt: Standprobe am leichten Hang, anschließend Rollprobe bei 10–15 km/h → Zug bleibt spurtreu.
- Gerade halten: Beim kräftigen Bremsen keine ruckartigen Lenkbewegungen; Abstand größer wählen.
- Bergab: Früher kleiner Gang + Motor-/Getriebebremse; keine Dauer‑Schleichbremsung (Fading‑Gefahr).
- ALB im Blick: Leer → geringere Bremskraft, beladen → höhere. Falsch eingestellte/defekte ALB = instabiles Bremsen.
- ABS/EBS (falls vorhanden): Bei Vollbremsung Pedal halten und lenken; keine „Pumpbremsung“ mit ABS.
4) Typische Fehlerbilder & wie du reagierst
- Druck baut nicht auf/zu langsam: Leck, Kompressor/Trockner Problem → anhalten, prüfen lassen.
- Ständiges Zischen/Druckabfall: Undichtheiten an Kupplungen/Schläuchen → nicht weiterfahren, Dichtungen/Schläuche prüfen.
- Schiefziehen beim Bremsen: Ungleiche Bremswirkung/ALB‑Problem → defensiv, Werkstatt.
- Kondenswasser/Eis im System: Trockner warten; bei Anlagen mit Hand‑Ablass regelmäßig entleeren (Herstellerangaben).
- Frostschutzpumpe: regelmäßig Anlagen mit Hand‑Ablass regelmäßig entleeren.
- Abriss/Leitungsbruch (Notbremsfunktion): Fällt der Vorratsdruck aus, bremst der Anhänger automatisch (Zug bleibt möglichst gerade halten). Abreißsicherung korrekt befestigen!
5) Pflege & Wartung
- Kupplungsköpfe/Dichtungen: Sauber halten, Dichtungen unbeschädigt; nur geeignete Pflegemittel nach Hersteller.
- Schläuche/Leitungen: Auf Risse, Quetschungen, Scheuerstellen prüfen; Halterungen/Nippel fest.
- Lufttrockner: Kartusche/Service nach Intervall; so verhinderst du Korrosion/Vereisung.
- Druckanzeige/Warnsysteme: Funktion der Manometer/Warnlampen regelmäßig checken.
6) Bremsprobe mit Zweileiter‑Anlage (kurz & praxisnah)
- Vorbereitung: Kuppeln (rot → gelb), Abreißsicherung, Leitungen frei verlegt.
- Druck: Motor laufen lassen bis Betriebsdruck erreicht; Warnlampe aus.
- Dichtheit: Bremse treten/halten → kein deutlicher Druckabfall, kein Zischen.
- Standprobe: Leichtes Gefälle: Zug hält sicher.
- Rollprobe 10–15 km/h: Kräftig bremsen → Zug bleibt spurtreu, kein Schlingern/Blockieren.
Prüfungskern (Merksatz)
„Ich kupple rot vor gelb, warte den Betriebsdruck ab, prüfe Dichtheit und mache eine Stand‑ und Rollprobe. Bergab nutze ich die Motorbremse – Vollbremsung: Pedal halten und lenken.“
Praxis‑Drill „Druckluft – Startklar in 3–5 Min.“
- Köpfe reinigen, rot → gelb kuppeln (oder Duomatic sauber einrasten), Abreißsicherung an festem Punkt.
- Betriebsdruck abwarten, Warnlampe aus; Leitungen spannungsfrei prüfen.
- Standprobe + Rollprobe (10–15 km/h) durchführen.
- Sicht-/Horchkontrolle: keine Lecks, keine Scheuerstellen.
- [ ] Rot/Gelb korrekt gekuppelt
- [ ] Betriebsdruck i. O., Warnung aus
- [ ] Dichtheit gegeben
- [ ] Stand‑/Rollprobe ok
- [ ] Leitungen frei verlegt
Sinnvolle Medien zum Einbau
- Poster/Fotokarten: Schema Zweileiter (rot/gelb), ALB‑Wirkprinzip, Duomatic‑Kopf.
- Kurzvideos (30–60 s): Kuppeln rot/gelb, Dichtheitscheck, Rollprobe.
- Hof‑Demo: „Fehlerbild‑Parcours“: geknickter Schlauch vs. korrekt verlegt; ALB leer/beladen vergleichen.
- Checkliste/QR: „Druckluft‑Startcheck“ (Fahrschule Eling) fürs Handschuhfach.
Kleine Übungsfragen
- Welche Aufgabe haben rote und gelbe Leitung im Zweileiter‑System?
- Warum wartest du vor der Abfahrt den Betriebsdruck ab – und wie erkennst du ihn?
- Was macht die ALB und was passiert, wenn sie falsch eingestellt/defekt ist?
- Nenne drei Anzeichen für Undichtheit an der Druckluftanlage.
- Wie gehst du eine lange Bergabfahrt mit Zug an, um Fading zu vermeiden?
Hinweis: Rechtsgrundlagen u. a. StVZO § 41 (Bremsanlagen), technische Auslegung meist nach ECE‑R13. Details zu Einleiter/ALB‑Einstellung kommen in den folgenden 2.1.x‑Abschnitten.
2.1.3 Auflaufbremse und Feststellbremse
1) Auflaufbremse – Prinzip & Aufbau
- Funktionsprinzip: Beim Bremsen läuft der Anhänger auf das Zugfahrzeug auf. Die Deichsel (Auflaufeinrichtung) wird zusammengeschoben, ein Bremshebel betätigt über Gestänge/Bowdenzüge (oder Hydraulik) die Radbremsen.
- Bauteile: Auflaufeinrichtung mit Dämpfer, Zugkugelkupplung (ggf. mit Stabilisator), Gestänge/Bowdenzüge, Radbremsen (meist Trommel), Automatik fürs Rückwärtsfahren (Rückfahrautomatik).
- Rückwärtsfahren: Moderne Anlagen haben eine Rückfahrautomatik, die die Bremswirkung beim Rückwärtsrollen reduziert. Ältere Systeme besitzen ggf. einen manuellen Rückfahrhebel (nur kurzzeitig nutzen, danach wieder lösen!).
- Abreißsicherung (Abreißseil): Zwingend bei gebremsten Anhängern mit Auflaufbremse. Seil an einem festen Punkt des Zugfahrzeugs oder einer dafür vorgesehenen Öse sichern – nicht nur um die Kugel legen.
2) Feststellbremse – Zweck & Handhabung
- Zweck: Sichert Fahrzeug/Anhänger im Stand gegen Wegrollen. Nicht zum Verzögern während der Fahrt.
- Trailer‑Feststellbremse: Handhebel am Anhänger wirkt mechanisch auf die Radbremsen. Hebel ganz durchziehen, Rastung prüfen.
- Zugfahrzeug‑Feststellbremse: Handbremse oder elektrische Parkbremse (EPB). Beim An‑/Abkuppeln immer zuerst das Zugfahrzeug sichern.
- Zusatzsicherung: Unterlegkeile an Steigungen/bei Arbeiten am angekuppelten Anhänger verwenden.
3) Praxis: Kuppeln, Check & Bremsprobe
- Vorbereitung: Anhänger gegen Wegrollen sichern (Feststellbremse + Keile). Kugelkopf/ Kupplung sauber, Stützlast im Blick.
- Ankuppeln: Kupplung ganz aufsetzen, Verriegelung einrasten, optische/ mechanische Anzeige kontrollieren. Stützrad hochkurbeln und sichern.
- Wenn Abreißseil: An fester Öse/Adapter am Zugfahrzeug befestigen; Leitung spannungsfrei verlegen.
- Lösen der Trailer‑Feststellbremse: Erst wenn alles korrekt verriegelt ist und das Zugfahrzeug gesichert steht.
- Funktionscheck: Rollprobe 10–15 km/h auf freier Fläche: kräftig bremsen → Zug bleibt spurtreu, kein Schlingern, keine ungewöhnlichen Geräusche.
4) Fahrtechnik mit Auflaufbremse
- Vorausschauend fahren: Früh Gas wegnehmen, sanft bremsen → die Auflaufbremse arbeitet dann gleichmäßig, weniger Hitze, weniger Verschleiß.
- Abstände vergrößern: Der Bremsweg des Zugs ist länger als solo.
- Bergab: Passender kleiner Gang + Motorbremse. Keine Dauer‑Schleichbremsung (Fading‑Gefahr).
- Enge Kurven/Unebenheiten: Bei Mehrachsern kann die Mechanik kurz ansprechen („Rubbeln“) – Tempo anpassen, sauber lenken.
5) Typische Fehlerbilder & Reaktion
- Ruckartiges Bremsen/Nicken: Dämpfer in der Auflaufeinrichtung verschlissen → Werkstatt prüfen lassen.
- Schiefziehen beim Bremsen: Ungleich eingestellte/verschlissene Radbremsen oder Züge → defensiv fahren, Werkstatt.
- Bremswirkung schwach/langes Pedalgefühl: Gestänge/Zug nachstellen lassen; Beläge evtl. verölt/verschlissen.
- Rückwärts blockiert: Rückfahrautomatik defekt/verklemmt oder manueller Rückfahrhebel noch eingelegt → anhalten, Ursache beheben.
- Abreißseil falsch befestigt/verdreht: Korrekt an Öse montieren, Seil frei führen. Bei Abriss bremst der Anhänger selbsttätig stark ab – Zug gerade halten, kontrolliert anhalten.
6) Wartung & Pflege (kurz)
- Auflaufeinrichtung/Dämpfer regelmäßig prüfen (Spiel, Leichtgängigkeit, Dichtheit).
- Bowdenzüge/Gestänge leichtgängig, korrekt eingestellt, kein Rost/Quetschungen.
- Bremsbeläge/Trommeln: Verschleißgrenze beachten; Radlager spielfrei.
- Kupplung und Stützrad: Verriegelungen funktionieren, kein übermäßiges Spiel.
- Abreißseil/D‑Ring/Öse: unbeschädigt, ausreichend dimensioniert.
Prüfungskern (Merksatz)
„Auflaufbremse: sanft vorausschauend bremsen, bergab Motorbremse. Abreißseil an fester Öse sichern. Feststellbremse nur im Stand – beim Kuppeln immer zuerst das Zugfahrzeug sichern.“
Praxis‑Drill „Auflauf + Feststellbremse“ (3–5 Min.)
- Zugfahrzeug fest (Parkbremse), Trailer gesichert (Feststellbremse + Keil).
- Ankuppeln, Verriegelung prüfen, Stützrad hoch; Abreißseil korrekt einhängen.
- Trailer‑Feststellbremse lösen, kurze Rollprobe 10–15 km/h, kräftig bremsen.
- Nachprobe: Sicht/Horch – keine Klapper‑ oder Schleifgeräusche, Deichsel bewegt sich gedämpft.
- [ ] Kupplung verriegelt
- [ ] Abreißseil fest am Fahrzeugpunkt
- [ ] Stützrad gesichert
- [ ] Rollprobe spurtreu
- [ ] Keine ungewöhnlichen Geräusche/Vibrationen
Kleine Übungsfragen
- Wie funktioniert die Auflaufbremse in einem Satz?
- Wozu dient der Dämpfer in der Auflaufeinrichtung – was merkst du, wenn er defekt ist?
- Wie und wo befestigst du das Abreißseil richtig?
- Welche Reihenfolge ist beim Ankuppeln wichtig (Sichern – Kuppeln – Abreißseil – Feststellbremse)?
- Warum ist bergab die Motorbremse so wichtig – was passiert bei Dauerbremsen?
Hinweis: Rechtsgrundlagen u. a. StVZO § 41 (Bremsanlagen). Details zu besonderen Varianten (z. B. hydraulisch betätigte Auflaufbremsen, Sonderkupplungen) behandeln wir in späteren Unterkapiteln.
2.1.4 Einzelradbremsen
1) Begriff & Abgrenzung
Einzelradbremsen sind Bremsen, die an jedem Rad wirken. Heute Standard bei Pkw, Lkw, Anhängern und modernen Traktoren. Sie ersetzen bzw. ergänzen ältere Zentral‑/Getriebebremsen, die nur auf eine Welle wirkten.
- Vorteile: stabile Spurtreue, kürzere Bremswege, Regelbarkeit durch ABS/ESC, weniger Überlastung einzelner Bauteile.
- Hinweis Traktor: Geteilte Pedale betätigen die Hinterrad‑Einzelbremsen links/rechts. Auf der Straße: Pedale koppeln!
2) Bauarten der Radbremsen
| Bauart | Wirkprinzip | Stärken | Typische Fahrzeuge |
|---|---|---|---|
| Scheibenbremse (Festsattel/Schwimmsattel) | Beläge pressen auf Bremsscheibe → Reibung | gute Kühlung, standfest, leicht dosierbar | vorn bei Pkw/Lkw fast immer; hinten oft auch |
| Trommelbremse (Simplex/Duplex) | Bremsbacken drücken nach außen in Trommel | selbstverstärkend, geschützt gegen Schmutz | häufig an Hinterachsen, leichtere Anhänger |
| Nasslamellenbremse (Ölbad) | Mehrere Lamellenpakete im Achs‑/Nabenöl | sehr haltbar, unempfindlich, hohe Dauerlast | Traktoren, Baumaschinen, schwere Achsen |
- Aktuatoren: Hydraulikzylinder (Pkw/Traktor) oder Druckluft‑Bremszylinder/Federspeicher (Lkw/Anhänger) betätigen die Radbremsen.
- Regelsysteme: ABS (blockierfrei), EBV/EBD (elektronische Bremskraftverteilung), ESC (Stabilitätsregelung) wirken radselektiv.
3) Bedienung & Fahrtechnik (Praxis)
- Vor Fahrt: Sichtprüfung auf Leckspuren, beschädigte Schläuche/Leitungen, ungewöhnlichen Belaggeruch. Pedalweg/Vorratsdruck i. O.
- Bremsprobe: Rollprobe 10–15 km/h → kräftig bremsen. Der Zug bleibt spurtreu, zieht nicht zur Seite.
- Bergab: geeigneter kleiner Gang, Motorbremse nutzen; keine Dauer‑Schleichbremsung (Fading‑Gefahr).
- Nass/Schmutz: Nach Wasser-/Matschdurchfahrt kurz trockenbremsen (vorsichtig, ohne Hintermann zu gefährden) – Trommeln/Scheiben trocknen.
- Traktor (Offroad): Einzelpedale nur auf Feld/Wiese für enge Wendungen oder zum Geradeziehen bei Traktionsverlust einsetzen; Straße = Pedale gekoppelt.
4) Typische Fehlerbilder & was du merkst
- Fahrzeug zieht beim Bremsen zur Seite: ein Rad bremst stärker/schwächer (Belag verölt/verglast, Zylinder schwergängig, ALB/Verteilung falsch) → defensiv weiter, Werkstatt.
- Rubbeln/Vibrationen im Pedal: verzogene Bremsscheibe, ungleichmäßige Trommel, Beläge verschlissen.
- Langer, weicher Pedalweg: Luft im System, Leck, überhitzte Beläge → anhalten, Ursache prüfen lassen.
- Heißes Rad/Brandgeruch: Schleifen/festgehender Sattel oder Nachsteller defekt → Stopp, abkühlen lassen, prüfen.
- Blockierende Räder ohne ABS‑Eingriff: Raddrehzahlsensor/ABS‑Ring verschmutzt/defekt → Warnlampe beachten.
5) Wartung & Einstellung (Kurzüberblick)
- Beläge/Backen: Mindestdicke einhalten, keine Öl-/Fettspuren, gleichmäßiger Abrieb.
- Scheiben/Trommeln: Verschleißmaß, Riefen, Schlag prüfen; Radlager spielfrei.
- Nachsteller: Trommelbremsen meist automatisch, Funktion prüfen; manuell nur nach Herstellervorgabe.
- Hydraulik/Druckluft: Dichtheit, Leitungsführung, Manschetten; bei Druckluft: Entwässerung/Lufttrockner warten.
- Nasslamellen: Ölqualität/Stand nach Herstellervorgabe; keine Metallspäne/Verfärbungen.
Prüfungskern (Merksatz)
„Einzelradbremsen arbeiten an jedem Rad – für Spurtreue und kurze Bremswege. Probe bremsen, auf gleichmäßige Wirkung achten; bergab Motorbremse. Traktor‑Pedale auf der Straße koppeln.“
Praxis‑Drill „Radbremsen checken“ (2–3 Min.)
- [ ] Sichtcheck: Leitungen/Schläuche, keine Lecks
- [ ] Pedalweg/Druck i. O., Warnlampen aus
- [ ] Rollprobe 10–15 km/h: spurtreu, kein Ziehen
- [ ] Nach Bremsung: kein Geruch/Qualm, keine ungewöhnlichen Geräusche
Kleine Übungsfragen
- Was ist der Hauptunterschied zwischen Einzelradbremse und Zentral-/Getriebebremse?
- Nenne je einen Vorteil von Scheiben‑, Trommel‑ und Nasslamellenbremse.
- Woran erkennst du, dass ein Rad stärker bremst als die anderen?
- Warum sind ABS/ESC mit Einzelradbremsen besonders wirkungsvoll?
- Welche Schritte gehören zur kurzen Bremsprobe vor der Abfahrt?
Hinweis: Rechtsgrundlagen u. a. StVZO § 41 (Bremsanlagen); technische Anforderungen z. T. nach ECE‑R13. Details zur Einstellung von Verteilsystemen/ALB kommen in späteren Abschnitten.
2.1.5 Unterlegkeile
1) Zweck & Rechtsgrundlage
- Zweck: Unterlegkeile sichern Anhänger beim Abstellen, An-/Abkuppeln und (Be-)Laden gegen Wegrollen.
- Mitführen & Halterung: Keile müssen leicht zugänglich im oder am Fahrzeug in Halterungen mitgeführt werden; die Halterung muss Verlieren/Klappern verhindern. Haken oder Ketten sind als Halterungen unzulässig. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Vorzeigen: Keile gehören zu den mitzuführenden Gegenständen und sind auf Verlangen vorzuzeigen. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__31b.html?utm_source=openai))
2) Anzahl – so viele Keile sind vorgeschrieben
Rechtsgrundlage: § 41 Abs. 14 StVZO. Entscheidend sind Bauart und Achszahl. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Sattelanhänger: 2 Keile. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Starrdeichselanhänger (inkl. Zentralachsanhänger) > 750 kg zGG: 2 Keile. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Zweiachsige Anhänger > 750 kg zGG (ausgenommen Sattel- und Starrdeichselanhänger; z. B. Drehschemel-/Lenkdeichselanhänger): 1 Keil. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Drei- und mehrachsige Fahrzeuge/Anhänger: 2 Keile. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Leichte Anhänger ≤ 750 kg zGG: keine Pflicht aus § 41 Abs. 14; in der Praxis dennoch sinnvoll, mind. 1 Keil mitzuführen (Sicherheit/Beladen). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Zusatzhinweis Zugfahrzeug: Kraftfahrzeuge (ausg. Gleiskettenfahrzeuge) mit zGG > 4 t: 1 Keil; bei drei+ Achsen: 2 Keile. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
Merke zur Einordnung: Trifft mehr als eine Regel zu (z. B. dreiachsiger Anhänger und Starrdeichsel), gilt die höhere Keilzahl (= 2).
3) Typfälle – schneller Überblick
| Fall | Beispiel | Pflicht |
|---|---|---|
| 1‑achsiger Zentralachsanhänger, 1 300 kg | Pkw‑Kastenanhänger mit Kugelkupplung | 2 Keile |
| 2‑achsiger Drehschemelanhänger, 4 000 kg | Traktoranhänger mit Lenkdeichsel | 1 Keil |
| 3‑achsiger Tieflader | Baumaschinentransporter | 2 Keile |
| Sattelanhänger | Sattelauflieger | 2 Keile |
| Pkw‑Anhänger ≤ 750 kg | Leichter Freizeitanhänger | keine Pflicht (Empfehlung: 1 Keil) |
4) Richtige Anwendung (Praxis)
- Abrollrichtung sichern: Keil immer an die talwärts stehende Reifenseite legen.
- Steile Neigung/Abkuppeln: Zwei Keile einsetzen (z. B. ein Rad vorne/hinten oder je ein Rad).
- Reihenfolge Abkuppeln: 1) Zugfahrzeug+Anhänger mit Feststellbremsen sichern → 2) Keil(e) anlegen → 3) Stützrad setzen → 4) Kupplung lösen → 5) Keile vor Abfahrt wieder verstauen.
- Untergrund: Keil vollflächig auflegen; bei weichem Boden ggf. Brett/Platte unterlegen.
- Halterung: Keile fest in passenden Haltern, klapperfrei; keine Haken/Ketten als Halter. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
Prüfungskern (Merksatz)
„Sattel immer 2 Keile. Starr-/Zentralachse > 750 kg: 2 Keile. Zweiachsiger Drehschemel > 750 kg: 1 Keil. Drei+ Achsen: 2 Keile. Keil talwärts anlegen – Halter ohne Haken/Ketten.“
Praxis‑Drill „Keile richtig einsetzen“ (2–3 Min.)
- Standplatz prüfen (Neigung/Untergrund). Feststellbremsen setzen.
- Erforderliche Keilanzahl bestimmen (Bauart/Achszahl). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- Keil(e) talwärts anlegen; bei starkem Gefälle doppelt sichern.
- Nach Abkuppeln: Standsicherheit prüfen; Keile vor dem Wegfahren aufnehmen und im Halter verstauen. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
- [ ] Richtige Anzahl an Bord
- [ ] Halterung i. O., kein Klappern
- [ ] Keil(e) richtig positioniert
Sinnvolle Medien zum Einbau
- A4‑Schaubild „Unterlegkeile: Bauarten → Keilanzahl → Position“ (Grafik von Joachim Eling, mit Piktogrammen für Deichselarten).
- Kurzvideo (30 s): Keil richtig anlegen an Steigung vs. Gefälle.
Kleine Übungsfragen
- Ein 1‑achsiger Zentralachsanhänger (1 300 kg) hinter dem Pkw: Wie viele Keile sind mitzuführen?
- Ein 2‑achsiger Drehschemelanhänger (4 000 kg) hinter dem Traktor: Wie viele Keile?
- Ein 3‑achsiger Tieflader: Keilanzahl?
- Wo legst du den Keil an, wenn der Anhänger bergab zeigt?
Lösungen (kurz): 1) 2 Keile. 2) 1 Keil. 3) 2 Keile. 4) An die talwärts stehende Reifenseite.
Rechtsverweise: § 41 Abs. 14 StVZO (Unterlegkeile – Anzahl, Halterung); § 31b StVZO (Vorzeigen mitzuführender Gegenstände). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__41.html?utm_source=openai))
2.2 Lenkung
1) Aufgabe & Aufbau (kurz erklärt)
- Aufgabe: Sichere Richtungsänderung, Spurtreue und Rückmeldung (Straßenkontakt) an den Fahrer.
- Hauptbauteile: Lenkrad → Lenksäule (kollabierbar) → Lenkgetriebe (Zahnstange/Rollenkugel) → Spurstangen → Achsschenkel/Lenkhebel → Räder.
- Lenkhilfen: Hydraulisch (Servo), elektro‑hydraulisch (EHPS) oder elektrisch (EPS). Moderne Fahrzeuge meist elektrisch.
- Sicherheit/Assistenz: Lenkungswinkel‑Sensor, ESC/ESP, Spurhalteassistent, teils aktive Lenkung. Bei Lkw/Traktor: oft hydrostatische Lenkung mit Notlenkeinrichtung.
2) Typische Lenkungsarten (Fahrzeugklassen)
- Pkw/Transporter: Zahnstangenlenkung, meist EPS. Sehr geringer Lenkspiel‑Sollwert.
- Lkw/Bus: Rollenkugel-/Zahnstange mit Servounterstützung; größere Bauteile, dennoch spielfrei gefordert.
- Traktor/Baumaschine: Hydrostatlenkung (Ölkreislauf). Achtung: Motor aus = ggf. stark erhöhter Lenkaufwand!
- Anhänger mit gelenkter Achse: Nachlauf‑Selbstlenkachse oder Zwangslenkung über Deichsel – Funktion/Arretierung fürs Rückwärtsfahren prüfen.
3) Funktionsprüfung vor der Fahrt (2–3 Minuten)
- Standcheck (Motor aus):
- Lenkrad spielfrei? Keine „toten“ Bereiche spürbar.
- Geräusche? Kein Knacken, Schleifen in der Lenksäule.
- Faltenbälge an Spurstangen/Lenkgetriebe dicht und unbeschädigt.
- Servocheck (Motor an, im Stand):
- Lenken geht leicht und gleichmäßig nach links/rechts.
- Lenkrad kurzfristig bis Anschlag drehen, aber nicht lange halten (Öl/Antrieb nicht überlasten).
- Warnlampen (Lenksymbol/ESP) aus; EPS‑Störung? → Werkstatt.
- Lenkspiel:
- Im Stand leicht hin und her Lenken - bewegt sich der Lenker, aber der Reifen nicht, gibt es Lenkspiel
- Festen Punkt, z.B. Blinkerhebel zum abschätzen nutzen - maximal 3cm Lenkspiel ist erlaubt (2-3 Finger breit)
- Rollprobe (5–15 km/h, gerade Strecke):
- Fahrzeug hält Spur, zieht nicht einseitig.
- Lenkrad zentriert selbstständig nach Geradeausfahrt.
- Keine Vibrationen/„Flattern“ im Lenkrad.
- Wenn hydraulisch: Servoflüssigkeit zwischen MIN–MAX (bei EPS: kein Vorratsbehälter vorhanden – normal!).
4) Häufige Mängel – Symptome & Folgen
- Zu großes Lenkspiel: Träge Reaktion, Schlangenliniengefahr → Ursache z. B. ausgeschlagene Spurstangenköpfe/Lenkgetriebe.
- Schwergängigkeit/„Ruckeln“: Servoausfall, Keilriemen (ältere Systeme), niedriger Ölstand, EPS‑Störung.
- Ziehen zur Seite: Spur verstellt, ungleicher Reifendruck/Profil, Bremse fest → erst Reifen/Bremsen prüfen, dann Achsvermessung.
- Undichtigkeiten: Ölspuren am Lenkgetriebe/Schläuchen (hydraulisch) → Werkstatt; Brandgefahr auf heißen Teilen.
- Beschädigte Faltenbälge: Wasser/Schmutz dringt ein → schnelles Ausschlagen von Gelenken.
5) Bedienungstechnik – so lenkst du sicher
- Handposition: „9‑und‑3‑Uhr“; Daumen außen am Kranz (nicht in Speichen einhaken).
- Kleine Lenkwinkel: Hand‑zu‑Hand (ohne Umgreifen).
- Große Lenkwinkel (Abbiegen, Parken): Übergreifen mit flüssigen Handwechseln. Kein „Palmieren“ (mit Handfläche rutschen).
- Rückstellung: Lenkrad kontrolliert zurückführen, nicht „durchrutschen“ lassen.
- Mit Assistenten: Spurhalte-/Parkassistent unterstützt nur; du bleibst verantwortlich und bereit zu übernehmen.
6) Besonderheiten Lkw/Traktor/Anhänger
- Lkw: Größere Lenkübersetzung → mehr Lenkradweg. Vor Abfahrt: Spiel an der Felge prüfen, Lenkhilfepumpe/Keilriemen (falls vorhanden) beachten.
- Traktor (Hydrostat): Bei Motor aus sehr schwer zu lenken. Notlenkeinrichtung beachten (Herstellerangaben). Keine langen Volleinschläge im Stand.
- Gelenkte Anhängerachsen:
- Nachlaufachsen: Arretierung fürs Rückwärtsfahren kontrollieren (löst/sperrt korrekt?).
- Zwangslenkung: Gestänge/Leitungen frei bei Volleinschlag; kein Klemmen, ausreichendes Spiel der Kupplung/Deichsel.
7) Mini‑Checkliste „Lenkung i. O.“
- [ ] Lenkrad spielfrei, ruhiger Geradeauslauf
- [ ] Keine ungewöhnlichen Geräusche/Vibrationen
- [ ] Servounterstützung funktioniert, Warnlampen aus
- [ ] Faltenbälge/Gelenke dicht und unbeschädigt
- [ ] Bei Hydrostat: Ölstand i. O., keine Leckage
8) Prüfungskern (Merksatz)
„Lenkung muss spielfrei, leichtgängig und selbstzentrierend sein – keine Geräusche, keine Lecks. Bei großen Lenkwinkeln übergreifend lenken, Daumen außen.“
9) Kleine Übungsfragen
- Woran erkennst du in der Rollprobe, dass die Lenkung technisch in Ordnung ist?
- Warum solltest du am Anschlag nicht lange „gegenhalten“?
- Welche Symptome deuten auf zu großes Lenkspiel hin?
- Was unterscheidet EPS von hydraulischer Servolenkung – und was bedeutet das für die Sichtprüfung?
- Wie prüfst du bei einem Anhänger mit Nachlaufachse die Funktion vor dem Rückwärtsfahren?
Rechtsbezug: Lenkanlagen müssen betriebssicher und nahezu spielfrei sein (StVZO, anerkannte Regeln der Technik; Bau- und Funktionsanforderungen u. a. nach ECE‑R 79). Im Zweifel: Werkstattprüfung/Achsvermessung veranlassen.
2.3 Räder/Bereifung
1) Aufgabe & Grundbegriffe
- Räder/Bereifung sorgen für sicheren Bodenkontakt, Traktion, Lenk- und Bremskräfte.
- Wichtige Begriffe: Profiltiefe (TWI-Markierung), Tragfähigkeitsindex (LI), Geschwindigkeitskategorie (z. B. V, H, T), DOT (Herstellungswoche/-jahr), RDKS/TPMS (Reifendruckkontrollsystem).
2) Rechtliche Basics (Deutschland)
- Mindestprofiltiefe: im Hauptprofil mindestens 1,6 mm; bei Kleinkrafträdern/Leichtkrafträdern 1,0 mm. Empfehlung aus der Praxis: Sommer ≥ 3 mm, Winter ≥ 4 mm. Rechtsgrundlage: § 36 StVZO. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
- Winterreifenpflicht (situativ): Bei Glatteis, Schnee‑/Eis‑/Reifglätte dürfen Kfz nur mit wintertauglichen Reifen fahren (Alpine‑Symbol/3PMSF). Seit 01.10.2024 sind M+S‑Reifen ohne Alpine‑Symbol im Winterbetrieb nicht mehr zulässig. Grundlage: § 2 Abs. 3a StVO i. V. m. § 36 Abs. 4 StVZO; Info des BMDV. ([bmv.de](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/winterreifen.html?utm_source=openai))
- Ausnahmen schwere Nutzfahrzeuge: M2/M3/N2/N3 dürfen bei winterlichen Bedingungen fahren, wenn mindestens die permanent angetriebenen Achsen und die vorderen Lenkachsen mit Winterreifen ausgerüstet sind. ([bmv.de](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/winterreifen.html?utm_source=openai))
- Mischbereifung (Bauart): Radial‑ und Diagonalreifen nicht mischen (je Fahrzeug/je Achse gleicher Bauart). § 36 StVZO. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
- Geschwindigkeitsaufkleber Winterreifen: Hat der Winter-/Allwetterreifen eine niedrigere Geschwindigkeitskategorie als die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, muss die zulässige Reifen‑Vmax im Sichtfeld des Fahrers gekennzeichnet sein (Sticker). § 36 StVZO. ([reifensuchmaschine.de](https://www.reifensuchmaschine.de/ganzjahresreifen/36_stvzo.htm?utm_source=openai))
3) Reifen richtig lesen (Beispiel)
205/55 R16 91V M+S 3PMSF
- 205/55 R16: Breite 205 mm / Querschnitt 55 % / Bauart Radial / Felge 16″
- 91V: LI 91 (Tragfähigkeit), Speed‑Index V
- M+S 3PMSF: wintertauglich – maßgeblich ist das Alpine‑Symbol (3PMSF). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
4) Praxis: Kontrolle vor der Fahrt (2–3 Min.)
- Rundum‑Sichtprüfung: keine Schnitte/Beulen/Fremdkörper; gleichmäßiger Abrieb; TWI‑Stege noch unter Profil. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
- Profiltiefe messen: mind. 1,6 mm (Winter besser ≥ 4 mm). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
- Luftdruck kalt nach Tür‑B‑Säule/Betriebsanleitung; bei Beladung anpassen (auch Anhänger‑Reifen!).
- Radbefestigung: alle Muttern/Schrauben vorhanden, korrekter Sitz; nach Radwechsel Drehmoment nach 50–100 km prüfen.
- RDKS: Warnlampe aus; bei Fahrzeugen M1/M1G ab 11/2014 Pflicht (Neu‑Zulassung). ([bundesverband-reifenhandel.de](https://bundesverband-reifenhandel.de/infopool/rdks-allgemeine-infos?utm_source=openai))
5) Winterreifen – was gilt konkret?
- Erkennbar an 3PMSF/Alpine‑Symbol. M+S alleine reicht seit 10/2024 nicht mehr. ([bmv.de](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/winterreifen.html?utm_source=openai))
- Schwere Kfz (M2/M3/N2/N3): Winterreifen mind. auf permanent angetriebenen Achsen + vorderen Lenkachsen. ([bmv.de](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/winterreifen.html?utm_source=openai))
- Stickerpflicht bei niedrigerem Speed‑Index (siehe oben). ([reifensuchmaschine.de](https://www.reifensuchmaschine.de/ganzjahresreifen/36_stvzo.htm?utm_source=openai))
6) Anhänger & Tempo‑100‑Regel (Kurzüberblick)
Zusatzwissen für Klasse B/BE – nützlich in der Praxis.
- Tempo‑100 auf AB/Kraftfahrstraßen nur mit Genehmigung nach 9. Ausnahmeverordnung zur StVO (Prüfung + Plakette). ([kues.de](https://kues.de/ratgeber/was-bei-tempo-100-km-h-zu-beachten-ist/?utm_source=openai))
- Reifenanforderungen Anhänger: jünger als 6 Jahre und Speed‑Index ≥ L (120 km/h). ([hochsauerlandkreis.de](https://www.hochsauerlandkreis.de/hochsauerlandkreis/buergerservice/auto/verkehr/zulassung/tempo-100-bei-fahrzeugkombinationen?utm_source=openai))
- Hinweis: Die 6‑Jahres‑Grenze gilt nur für Tempo‑100‑Zulassung, nicht generell. ([kues.de](https://kues.de/ratgeber/was-bei-tempo-100-km-h-zu-beachten-ist/?utm_source=openai))
7) Erlaubt & nicht erlaubt (häufige Fragen)
- Darf ich Sommer und Winter auf einer Achse mischen? Rechtlich ist die Profilmischung nicht explizit verboten, aber sicherheitskritisch; bauartverschiedene Reifen (Radial/Diagonal) verboten. Empfehlung: achsweise gleiche Marke/Profil. § 36 StVZO. ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
- DOT‑Alter: Es gibt keine generelle Altersgrenze; Zustand zählt. Für Tempo‑100‑Anhänger jedoch ≤ 6 Jahre. ([kues.de](https://kues.de/ratgeber/was-bei-tempo-100-km-h-zu-beachten-ist/?utm_source=openai))
- RDKS „ignorieren“? Bei M1/M1G seit 11/2014 Pflicht bei Neuzulassung; defektes RDKS kann HU‑relevant sein. ([bundesverband-reifenhandel.de](https://bundesverband-reifenhandel.de/infopool/rdks-allgemeine-infos?utm_source=openai))
8) Merksätze (Prüfungskern)
„1,6 mm ist Pflicht – 3/4 mm sind sicherer. Winter = 3PMSF. Radial/Diagonal nie mischen. Bei niedrigem Winterreifen‑Speedindex: Sticker ins Sichtfeld. RDKS‑Lampe darf nicht leuchten.“ ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
9) Mini‑Checkliste „Räder/Bereifung i. O.“
- [ ] Profiltiefe i. O. (Sommer ≥ 3 mm empfohlen; Winter ≥ 4 mm empfohlen)
- [ ] Keine Schäden/Beulen/Fremdkörper
- [ ] Luftdruck kalt nach Hersteller; Ventilkappen drauf
- [ ] RDKS ok (keine Warnmeldung)
- [ ] Reifendimension/LI/Speedindex passend zu Fahrzeugpapieren
- [ ] Bei Winterbetrieb: 3PMSF vorhanden; ggf. Geschwindigkeits‑Sticker
- [ ] Anhänger (Tempo 100): Reifen ≤ 6 Jahre, Index ≥ L (falls zutreffend)
10) Kleine Übungsfragen
- Woran erkennst du, dass dein Winterreifen „rechtlich“ wintertauglich ist?
- Dein Auto fährt 210 km/h, der Winterreifen ist bis 190 km/h zugelassen. Was musst du tun?
- Warum ist ein Mix aus Radial‑ und Diagonalreifen unzulässig?
- Welche zwei Reifenanforderungen gelten für Anhänger mit Tempo‑100‑Zulassung?
- Wie viel Profiltiefe ist gesetzlich mindestens vorgeschrieben – und was empfiehlt Joachim für Winterreifen?
Lösungen (kurz): 1) Alpine‑Symbol/3PMSF. 2) Geschwindigkeits‑Sticker ins Sichtfeld und Vmax einhalten. 3) § 36 StVZO verbietet Bauart‑Mix. 4) ≤ 6 Jahre alt und Speed‑Index ≥ L. 5) min. 1,6 mm; empfohlen ≥ 4 mm. ([bmv.de](https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Strassenverkehr/winterreifen.html?utm_source=openai))
Medien für den Unterricht (Fahrschule Eling)
- A4‑Poster „Reifen lesen“ (205/55 R16 91V – mit Pfeilen für Laufrichtung/Outside/Rotation).
- Kurzvideo (30 s): Profiltiefe messen am TWI – Sommer vs. Winter.
Rechtsquellen/Infos: § 36 StVZO; § 2 Abs. 3a StVO (BMDV‑Infoseite); 9. Ausnahmeverordnung (Tempo 100 – KÜS/Behördeninfos); RDKS‑Pflicht (EU‑VO 661/2009 – BRV/Medien). ([gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__36.html?utm_source=openai))
2.4 Anbaugeräte und Ladung
1) Anbaugerät vs. Ladung – kurz & praxisnah
- Anbaugeräte (z. B. Frontlader, Mähwerk, Schneidwerk, Frontgewicht) sind Fahrzeugteile. Sie zählen zu den Abmessungen des Fahrzeugs und müssen so angebaut sein, dass Sicht, Beleuchtung und Verkehrssicherheit erhalten bleiben.
- Ladung (z. B. Paletten, Rohre, Balken, Ballen) wird auf oder am Fahrzeug befördert und muss nach StVO gesichert und ggf. gekennzeichnet werden (§ 22 StVO). ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
2) Abmessungen, Überstände und Kennzeichnung – was gilt?
2.1 Grundmaße (Fahrzeug + Ladung)
- Breite/Höhe: max. 2,55 m breit und 4,00 m hoch. Ausnahmen für land-/forstwirtschaftliche Fahrzeuge: mit Erzeugnissen/Arbeitsgeräten bis 3,00 m breit; mit landw. Erzeugnissen darf die Höhe 4,00 m überschreiten. Kühlfahrzeuge: 2,60 m. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
2.2 Überstand nach vorn
- Bis 2,50 m Höhe darf Ladung nicht vor das Fahrzeug ragen (bei Zügen: nicht vor das Zugfahrzeug). Darüber hinaus sind max. 50 cm nach vorn zulässig. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
2.3 Überstand nach hinten
- Grundsätzlich bis 1,50 m erlaubt, auf kurzer Strecke ≤ 100 km bis 3,00 m. Fahrzeug/Zug inkl. Ladung max. 20,75 m lang. ([landkreis-regen.de](https://www.landkreis-regen.de/strasse-und-verkehr/strassenverkehrsbehoerde/grossraum-und-schwerverkehr/ladungssicherung-%C2%A7-22-stvo/?utm_source=openai))
- Ragt das Ende der Ladung mehr als 1,00 m über die Rückstrahler hinaus, muss es gekennzeichnet werden:
- am Tag: hellrote Fahne/Schild (≥ 30 × 30 cm) oder roter Zylinder (H ≥ 30 cm, Ø ≥ 35 cm), max. 1,5 m über Fahrbahn angebracht,
- bei Dämmerung/Dunkelheit/Sichtbehinderung zusätzlich: rote Leuchte an gleicher Stelle und roter Rückstrahler ≤ 0,90 m Höhe. ([landkreis-regen.de](https://www.landkreis-regen.de/strasse-und-verkehr/strassenverkehrsbehoerde/grossraum-und-schwerverkehr/ladungssicherung-%C2%A7-22-stvo/?utm_source=openai))
2.4 Seitlicher Überstand
- Ragt die Ladung seitlich mehr als 40 cm über die äußeren Kanten der Begrenzungs-/Schlussleuchten hinaus, ist sie – falls nötig – kenntlich zu machen: vorn weißes, hinten rotes Licht, je ≤ 40 cm vom Rand und ≤ 1,5 m hoch. Einzelne Stangen/Pfähle, waagerecht liegende Platten u. ä. dürfen seitlich nicht hinausragen. ([landkreis-regen.de](https://www.landkreis-regen.de/strasse-und-verkehr/strassenverkehrsbehoerde/grossraum-und-schwerverkehr/ladungssicherung-%C2%A7-22-stvo/?utm_source=openai))
3) Ladungssicherung – so machst du’s richtig
- Grundsatz: Ladung so verstauen und sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung/Ausweichmanöver nicht verrutscht, umkippt oder herabfällt; anerkannte Regeln der Technik beachten. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
- Praxis‑Tipps:
- Rutschhemmende Matten unterlegen, Ladungsschwerpunkt tief und formschlüssig anlegen (Bordwand/Prallwand).
- Zurrgurte mit ausreichender LC (daN) verwenden; geeignete Zurrpunkte nutzen; Zurrwinkel ca. 30–60° anstreben.
- Scharfe Kanten mit Kantenschonern schützen; Gurte vor Beschädigung/Überdehnung prüfen.
- Plane/Netz bei Schüttgut; keine Personen auf der Ladung mitnehmen.
4) Besonderheiten bei Anbaugeräten (Traktor/SAM/Lkw)
- Mechanische Sicherung: Verriegelungen und Sicherungsbolzen schließen; hydraulische Transportsicherung (Schwingungsdämpfung/Schließhähne) aktivieren.
- Spitzen/Schneiden sichern: Ballenspieße, Zinken, Schneidkanten abdecken oder so transportieren, dass niemand gefährdet wird (möglichst bodennah, aber mit Bodenfreiheit).
- Sicht & Beleuchtung: Alle vorgeschriebenen Leuchten/Reflektoren müssen frei sichtbar sein; falls verdeckt, Zusatz‑Begrenzungs‑/Umrissleuchten/Blinker montieren. Gesamtbreite/-höhe beachten (siehe 2.1). ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
- Breite über 2,55 m: Nur im Rahmen der land‑/forstwirtschaftlichen Ausnahmen bzw. mit Genehmigung fahren; Fahrschüler: immer vorher mit Joachim klären! ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
- Transportwagen nutzen: Große Vorsatzgeräte (z. B. Mäh‑/Schneidwerke) nach Herstellervorgaben auf Transportwagen umsetzen; Kupplungshöhe/Deichsel waagrecht, Beleuchtung am Wagen komplett.
5) Mini‑Checklisten
5.1 „Ladung i. O.“ vor Fahrtbeginn
- [ ] Gewicht/Verteilung passt, nichts ragt unzulässig vor/seitlich/hinten
- [ ] Zurrmittel/Netz/Plane intakt und richtig gespannt
- [ ] Kennzeichnung vorhanden (falls > 1 m hinten bzw. seitlich > 40 cm), Leuchte/Reflektor bei Dunkelheit
- [ ] Papiere/evtl. Genehmigung dabei (Überbreite/Sondertransport)
5.2 „Anbaugerät i. O.“
- [ ] Verriegelt, gesichert, keine Leckagen/lose Schläuche
- [ ] Keine scharfen Kanten/Spitzen ungeschützt
- [ ] Beleuchtung/Reflektoren nicht verdeckt (ggf. Zusatzleuchten)
- [ ] Gesamtbreite/-höhe geprüft; bei Straßenfahrt Transportstellung gewählt
6) Praxisbeispiele (merke!)
- Pkw + Dachlast (Ladder/Kajak): Mehr als 1,0 m Überstand hinten? → rote Fahne; bei Dunkelheit zusätzlich rotes Licht + roter Rückstrahler (≤ 0,9 m hoch). Max. 1,5 m (bzw. ≤ 3,0 m bei ≤ 100 km). ([landkreis-regen.de](https://www.landkreis-regen.de/strasse-und-verkehr/strassenverkehrsbehoerde/grossraum-und-schwerverkehr/ladungssicherung-%C2%A7-22-stvo/?utm_source=openai))
- Traktor + Frontlader mit Ballenspieß: Spieße abdecken oder bodennah führen; Breite/Höhe prüfen; Begrenzungsleuchten frei. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
- Holztransport auf Anhänger: Seitlicher Überstand > 40 cm? → seitliche Kennzeichnung (weiß vorn/rot hinten, ≤ 1,5 m hoch). ([landkreis-regen.de](https://www.landkreis-regen.de/strasse-und-verkehr/strassenverkehrsbehoerde/grossraum-und-schwerverkehr/ladungssicherung-%C2%A7-22-stvo/?utm_source=openai))
7) Prüfungskern (Merksätze)
„Ladung sichern – nichts darf rutschen, kippen oder fallen. Vorne erst über 2,5 m Höhe bis 50 cm erlaubt. Hinten 1,5 m, bei ≤ 100 km 3,0 m – ab > 1,0 m: rote Kennzeichnung, nachts mit Licht/Reflektor. Gesamt: max. 2,55 m breit, 4,0 m hoch (Lw‑Ausnahmen beachten).“ ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
8) Kleine Übungsfragen
- Ab welcher Höhe darf Ladung nach vorn überstehen – und wie weit maximal?
- Dein Surfbrett ragt 1,20 m über die Rückstrahler hinaus. Was ist zu tun – tagsüber und nachts?
- Wie weit darf Ladung auf kurzer Strecke (≤ 100 km) nach hinten überstehen?
- Nenne die zulässigen Grundmaße (Breite/Höhe) für Fahrzeug + Ladung – und eine wichtige Lw‑Ausnahme.
- Was ist bei seitlichem Überstand > 40 cm zu beachten?
Antworten (kurz): 1) Über 2,5 m Ladungshöhe bis 50 cm; darunter 0 cm. 2) Tag: rote Fahne/Schild/Zylinder (≤ 1,5 m hoch); Nacht: zusätzlich rotes Licht + roter Rückstrahler (≤ 0,9 m). 3) Bis 3,0 m. 4) 2,55 m/4,0 m; Lw‑Fahrzeuge z. B. bis 3,0 m breit (mit Erzeugnissen/Arbeitsgeräten). 5) Kennzeichnung mit weißem Licht vorn/rotem hinten, ≤ 1,5 m hoch. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
Rechtsbezug: § 22 StVO (Ladung – Maße, Überstände, Kennzeichnung); ergänzend Abmessungen lt. StVO/StVZO; Ausnahmen Lw/Fo. Für Sondertransporte sind ggf. Genehmigungen nötig. ([justiz-nrw.wolterskluwer-online.de](https://justiz-nrw.wolterskluwer-online.de/browse/document/4e6af5bb-41c1-3cf6-a3b5-a06ac83f29dc?utm_source=openai))
2.5 Be- und Entlastung der Achsen
1) Worum geht’s?
- Achslasten geben an, wie stark Vorder‑ und Hinterachse belastet sind – im Stand (statisch) und während der Fahrt (dynamisch).
- Dynamische Lastverlagerung entsteht beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurven. Sie beeinflusst Bremsweg, Traktion, Lenkbarkeit, Stabilität und Verschleiß.
2) Längsdynamik: Bremsen & Beschleunigen
- Bremsen: Das Fahrzeug „taucht“ vorn ein → Vorderachse wird stärker belastet, Hinterachse entlastet. Folge: hinten früherer Haftungsverlust möglich.
- Beschleunigen: Last wandert nach hinten → Hinterachse stärker belastet, Vorderachse entlastet. Folge: vorne weniger Lenkpräzision möglich.
- Praxisfolgen:
- Fronttriebler: Beim kräftigen Anfahren evtl. Schlupf vorn → sanft dosieren.
- Hecktriebler: Beim kräftigen Bremsen wird hinten leicht → Fahrzeug kann instabil werden.
- Allrad: verteilt Kräfte besser, aber die Physik bleibt.
3) Querdynamik: Kurvenfahrt
- In der Kurve verlagert sich Last auf die kurvenäußeren Räder → außen mehr Grip, innen weniger.
- Zu frühes/scharfes Einlenken oder abrupte Gaswechsel können Unter‑ bzw. Übersteuern auslösen.
- Faustregel: Erst bremsen, dann lenken, dann wieder sanft beschleunigen.
4) Beladen in der Praxis (Pkw/Transporter)
- Schweres nach unten und möglichst zwischen die Achsen.
- Keine Hecklastigkeit: Zu viel Gewicht hinten → Hinterachse überlastet, Vorderachse leicht → Lenkung unpräzise, Scheinwerfer blenden.
- Keine Kopflastigkeit: Zu viel Gewicht vorn → Vorderachse/Reifen/Bremsen überlastet.
- Seitenverteilung: Links/rechts ausgewogen; Ladung form‑ und kraftschlüssig sichern.
5) Anhänger: Stützlast und Stabilität
- Stützlast (S) = vertikale Kraft auf der Kupplung; zählt zur Hinterachslast des Zugfahrzeugs.
- Zu kleine S: Gespann schlingert leichter (Seitenwind, Überholen).
- Zu große S: Hinterachse überlastet, Vorderachse entlastet → schlechtere Lenk‑/Bremswirkung.
- Wichtig: Immer die kleinste zulässige Stützlast aus Fahrzeugpapieren, Kupplung und Anhänger einhalten.
- Belade‑Tipp: Schweres leicht vor der/den Achse(n) platzieren, S mit Waage prüfen; Achslasten beachten.
6) Lkw/Bus/Traktor – Besonderheiten
- Lkw mit Luftfederung: Hält die Fahrzeughöhe, aber nicht automatisch die korrekte Achslastverteilung → Achslasten wiegen.
- Sattelzug: Position der Last/Kingpin bestimmt die Verteilung zwischen Zugmaschine und Auflieger (Radsatzschieber richtig einstellen).
- Traktor/Arbeitsmaschinen: Frontlader/Anbaugerät erhöht die Vorderachslast; für sichere Lenkbarkeit ggf. Gegenballast einsetzen und Transportstellung nutzen.
7) Was merkst du am Fahrzeug?
- Starkes „Eintauchen“ vorn und frühes Eingreifen der Regelsysteme → Hinterachse deutlich entlastet.
- Traktionsprobleme beim Anfahren bergauf (Fronttriebler leer) → Lastverteilung anpassen, sanft dosieren.
- Nervöses Heck bei Lastwechseln in Kurven → ruhiger lenken, gleichmäßig Gas, Tempo anpassen.
8) Mini‑Checklisten
Vor der Fahrt
- [ ] Schweres tief und zwischen die Achsen
- [ ] Links/rechts ausgewogen
- [ ] Stützlast S im zulässigen Bereich (kleinster Wert maßgeblich)
- [ ] Achslasten/ZGG laut Papieren nicht überschritten (bei Bedarf Waage)
- [ ] Ladung gesichert (kein Rutschen/Kippen/Fallen)
Während der Fahrt
- [ ] Vorausschauend, geradeaus abbremsen
- [ ] In Kurven keine abrupten Lastwechsel
- [ ] Mit Anhänger: Tempo reduzieren, Seitenwind/Überholen beachten
9) Praxisbeispiele (kurz)
- Kombi + Urlaubsgepäck: Schwere Koffer unten hinter der Rückbank, leichte Sachen nach oben; Dachbox nur moderat beladen (erhöht Schwerpunkt).
- Kastenwagen leer im Regen: Vorsichtig bremsen – Hinterachse blockiert schneller, ESP arbeitet häufiger.
- Einachs‑Anhänger mit Brettern: Bündel leicht vor der Achse, Stützlast mit Waage einstellen; Zurrgurte diagonal, Kantenschoner benutzen.
10) Prüfungskern (Merksätze)
„Bremsen lädt vorn – Gas lädt hinten.“
„Schweres tief und zwischen die Achsen; Stützlast im zulässigen Bereich.“
„Erst bremsen, dann lenken, dann sanft beschleunigen – keine abrupten Lastwechsel.“
11) Kleine Übungsfragen
- Was passiert mit Vorder‑ und Hinterachse bei einer Vollbremsung – und welche Folgen hat das fürs Heck?
- Dein Fronttriebler kommt leer eine nasse Rampe kaum hoch. Was kannst du ändern?
- Wo platzierst du schweres Ladegut im Einachs‑Anhänger, um eine stabile Stützlast zu erreichen?
- Warum verschlechtert eine hohe Dachlast das Fahrverhalten deutlich?
- Wenn sich zulässige Stützlasten von Zugfahrzeug, Kupplung und Anhänger unterscheiden: Welcher Wert gilt?
12) Nutzen & Kontrollintervall
- Nutzen: Kürzere Bremswege, bessere Lenkbarkeit, weniger Verschleiß, sichere Gespannfahrten.
- Kontrollintervall: Immer nach dem Beladen/Umräumen; vor längeren Fahrten; bei Anhängerbetrieb vor jeder Fahrt; zusätzlich saisonal (Urlaub/Umzug/Erntezeit).
2.6 Betriebsgeschwindigkeit
1) Wichtige Bauteile & Begriffe
- bbH (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit): Maximalgeschwindigkeit, die dein Traktor konstruktiv erreichen darf. Steht in den Papieren/Typenschild.
- Betriebsgeschwindigkeit: Die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit – richtet sich nach bbH, Technik (Bremsen/Reifen), Zugbildung (Anhänger), Strecke, Sicht und Verkehr.
- Geschwindigkeitsschild: Hinweis am Heck (z. B. 25/40/60). Daran orientierst du dich, wenn vorhanden – es zeigt die zulässige Höchstgeschwindigkeit für den Zug an.
- Bremsanlage: Traktorbremsen + Anhängerbremsen (Auflauf, Hydraulik, Druckluft). Die Bremsart begrenzt oft das zulässige Tempo mit Anhänger.
- Reifen/Speed‑Index: Reifen müssen für das Tempo freigegeben sein (Last‑ und Geschwindigkeitsindex beachten).
- Getriebe/Lastschaltstufen: Fahrbereich und Stufe so wählen, dass du mit Reserven fahren kannst (bergauf/bergab ohne Hektik).
- Motorbremse/Lastabtrieb: Bergab Tempo über Gangwahl/Motorbremse halten, nicht „rollen lassen“.
- Anbaugeräte/Transportstellung: Erhöhen Luft‑/Rollwiderstand und Schwerpunkt – Tempo ggf. reduzieren.
2) Schritt‑für‑Schritt: Betriebsgeschwindigkeit festlegen und fahren
- Papiere & Schilder checken: bbH Traktor, evtl. Geschwindigkeitsschild am Zug (25/40/60), Eintragungen zu Bremsart/Reifen.
- Zug bewerten: Mit/ohne Anhänger? Bremsart und Zustand des Anhängers? Ladung/Verteilung/ Stützlast im Soll?
- Strecke & Bedingungen: Sicht, Witterung, Fahrbahn (nass, lose Erde, Spurrillen), Gefälle/Steigung, Ortslage.
- Technik passend wählen: Fahrbereich/Gang so, dass bei Zieltempo ~1.500–2.000 U/min anliegt (Reserve zum Beschleunigen/Bremsen).
- Losfahren: Sanft anfahren, Spur halten, Verkehr beobachten; Tacho mit Soll‑Tempo abgleichen.
- Bergauf/Bergab: Frühzeitig runterschalten; bergab Motorbremse nutzen, nicht im Leerlauf rollen.
- Mit Anhänger: Vorausschauend, längere Bremswege einkalkulieren; Seitenwind/Überholen lassen – Tempo stabil halten, nicht „mitschaukeln“.
- Bei Unsicherheit: Tempo reduzieren, Sicherheitsabstand vergrößern, notfalls Haltebucht nutzen und Kolonne vorbeilassen.
3) Masse, Lasten, Werte – einfach erklärt
- Langsamste Komponente bestimmt das Tempo: bbH Traktor, Geschwindigkeitsschild, Bremsart/Zugfreigabe, Reifenfreigaben – der niedrigste Wert gilt.
- Gewicht wirkt auf Bremsweg: Mehr Masse = längerer Bremsweg. Mit Anhänger immer mit größerem Sicherheitsabstand fahren.
- Schwerpunkt & Aufbau: Hohe/weite Lasten (z. B. Ballen, Frontlader oben) erhöhen Kippgefahr → Tempo senken, Kurven weiter und ruhiger fahren.
- Reifen & Luftdruck: Falscher Druck = schlechter Grip/lenk‑ und bremsinstabil → vor Fahrt prüfen, gerade bei Transporttempo.
- Arbeits- vs. Transportfahrt: Beim Wechsel Feld → Straße Geräte in Transportstellung, Verriegelungen prüfen, Tempo neu festlegen.
4) Bremsen, Lenkstabilität, Fahreindruck
- Bremsen: Bei höherem Tempo verlängert sich der Bremsweg stark. Mit Gespann: erst gerade bremsen, dann lenken.
- Stabilität: Hohe Geschwindigkeit + unruhige Lenk- oder Gasbewegungen → Schlingern möglich. Ruhe bewahren, sanft Tempo reduzieren, nicht hektisch gegenlenken.
- Kurven: Vor der Kurve Tempo fertig reduzieren; in der Kurve keine starken Lastwechsel (bremsen/ruckartig Gas).
- Fahreindruck: Wenn sich der Zug „leicht“ anfühlt (schwammig, schaukelt): Tempo runter, Stützlast/Ladung prüfen.
5) Abmessungen, Sicht, Kennzeichnung
- Heckkennzeichnung/Tempo: Geschwindigkeitsschild am Zug (falls vorhanden) sauber und sichtbar; Umrissleuchten/Reflektoren helfen, früh erkannt zu werden.
- Sicht herstellen: Spiegel/Kameras so einstellen, dass du die gesamte Breite und den nachfolgenden Verkehr im Blick hast – besonders wichtig bei geringerer Geschwindigkeit als der übrige Verkehr.
- Überbreite/Überlänge: Tempo zusätzlich reduzieren; ausreichend Seitenabstand einplanen.
6) Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Zu schnell für den Zug: Geschwindigkeitsschild/Eintrag ignoriert → immer am niedrigsten zulässigen Wert orientieren.
- Bergab rollen lassen: Gang raus/Segeln → Bremsen überhitzen, Schlingergefahr. → Gang drin, Motorbremse nutzen.
- Frontlader oben: Hoher Schwerpunkt, Nick-/Wankbewegungen. → Lader absenken, Tempo reduzieren.
- Falscher Reifendruck: Mindert Spurtreue/Bremsleistung. → Druck prüfen/anpassen.
- Hektische Korrekturen: Lenken/Bremsen/Gas ruckartig. → Sanfte Eingaben, vorausschauend fahren.
- Kolonnenstau verursachen: Langer Tross hinter dir. → Geeignete Stelle nutzen, kurz rausfahren und vorbeilassen.
Prüfungskern (Merksatz)
„Ich richte mein Tempo nach der langsamsten Komponente, den aktuellen Bedingungen und einem großen Sicherheitsabstand aus – erst bremsen, dann lenken, dann sanft beschleunigen.“
Praxis‑Drill „Tempo im Griff“ (3–5 Min.)
- Papiere/Schilder checken: bbH, Geschwindigkeitsschild, Bremsart, Reifenfreigabe.
- Strecke bewerten: Sicht/Wetter/Gefälle, Ortslage, Verkehrsdichte.
- Fahrbereich/Gang wählen: Zieltempo mit Reserve (keine Dauervollgas‑Fahrt).
- Rollprobe 10–15 km/h: Bremsen kräftig testen – Zug bleibt spurtreu?
- Transportfahrt: Frontlader/Anbaugeräte in Transportstellung, Spiegel feinjustieren.
- [ ] Langsamste Komponente geklärt (bbH/Schilder/Reifen/Bremsen)
- [ ] Sicht & Strecke beurteilt
- [ ] Gangwahl mit Reserven
- [ ] Bremsprobe ok
- [ ] Anbaugeräte gesichert
Sinnvolle Medien zum Einbau
- Fotokarten/Poster: Beispiele für 25/40/60‑Kennzeichnung am Heck; Reifen‑Speed‑Index; Typenschilder (bbH).
- Kurzvideos (30–60 s): „Bergab mit Motorbremse“, „Bremsprobe mit Anhänger“, „Tempo festlegen nach langsamster Komponente“.
- Hof‑Demo: Gleiche Strecke einmal mit zu hohem Tempo vs. korrekt (Kontrast im Bremsweg/Fahreindruck fühlbar machen).
- Checkkarten/QR: „Tempo‑Check vor Fahrtantritt“ als kleine Karte für die Kabine (Fahrschule Eling).
Kleine Übungsfragen
- Welche Punkte legst du zugrunde, um die zulässige Betriebsgeschwindigkeit deines Zuges festzulegen?
- Warum ist bergab die Motorbremse so wichtig – und wie bereitest du sie vor der Abfahrt vor?
- Woran merkst du, dass dein Gespann zu schnell ist (Fahreindruck) – was tust du dann?
- Welche Rolle spielen Reifenfreigabe und Reifendruck für das Tempo auf der Straße?
- Wie verhältst du dich, wenn sich hinter dir eine Kolonne bildet?
2.7 Ladung
1) Wichtige Bauteile & Begriffe
- Ladung: Alles, was auf oder am Fahrzeug/Gespann mitgeführt wird (z. B. Paletten, Ballen, Kisten, Rohre) und gesichert werden muss.
- Anbaugerät: Gerät, das fest zum Fahrzeug gehört (z. B. Frontlader, Mähwerk, Frontgewicht). Kein Ladegut – Abmessungen/Beleuchtung gelten trotzdem.
- Ladungssicherung: Maßnahmen, die ein Verrutschen, Umkippen, Rollen oder Herabfallen verhindern (Zurrgurte, Ketten, Netze, rutschhemmende Matten, Bordwände).
- Zurrmittel & Zurrpunkte: Gurte/Ketten mit Prüfkennzeichnung; feste Anschlagpunkte am Fahrzeug/Anhänger.
- Formschluss vs. Kraftschluss: Formschluss = Ladung liegt dicht an Wänden/Prallwänden an; Kraftschluss = Niederzurren mit Vorspannkraft und rutschhemmender Unterlage.
- Verantwortung: Fahrer/in trägt die Verantwortung für sichere und vorschriftsmäßige Ladung (StVO). Halter/Verlader wirken mit.
2) Schritt‑für‑Schritt: Ladung richtig sichern
- Planen: Was wird transportiert? Form, Gewicht, Schwerpunkt, Anzahl. Passende Hilfsmittel bereitlegen (Matten, Kantenschoner, Gurte/Ketten, Netze).
- Fahrzeug prüfen: Zurrpunkte unbeschädigt, Bordwände/Prallwand funktionsfähig, Ladefläche sauber/trocken.
- Schweres nach unten & nah an die Prallwand: Schwerpunkt tief und zwischen die Achsen. Hohlräume vermeiden/ausfüllen.
- Formschluss herstellen: Paletten/Ballen dicht aneinander und an Bordwände; ggf. Steckrungen nutzen.
- Rutschhemmung: Unter jede Ladeeinheit rutschhemmende Matten; Kanten mit Kantenschonern schützen.
- Zurren: Je nach Ladung Niederzurren, Direktzurren (Diagonal-/Schrägzurren) oder Umspannungen einsetzen; Gurte sauber führen, nicht über scharfe Kanten ohne Schutz.
- Spezialfälle: Rundhölzer/Rohre gegen Rollen sichern (Keile/Unterlagen); Schüttgut abdecken (Netz/Plane); lose Geräte anbinden.
- Kontrolle: Sicht-/Fühlkontrolle aller Zurrpunkte und Sicherungen; nach wenigen Kilometern nachspannen, danach regelmäßig prüfen.
- Beleuchtung/Sicht: Ladung darf Licht, Blinker, Kennzeichen und Sicht nicht verdecken. Falls verdeckt → Zusatzleuchten/-kennzeichen anbringen.
3) Masse, Lasten, Werte – einfach erklärt
- Zulässige Abmessungen (Straße): In der Regel max. 2,55 m Breite und 4,00 m Höhe (land‑/forstwirtschaftliche Ausnahmen können gelten, ggf. Genehmigung).
- Überstand vorn: Grundsätzlich nicht; erst über 2,5 m Höhe bis 50 cm nach vorn erlaubt.
- Überstand hinten: Bis 1,5 m zulässig; bis 3,0 m, wenn die Transportstrecke ≤ 100 km ist. Ragt die Ladung mehr als 1,0 m über die Rückstrahler hinaus, muss sie gekennzeichnet werden.
- Kennzeichnung überstehender Ladung: Am Tag rote Fahne/rotes Schild; bei Dunkelheit/ schlechter Sicht zusätzlich rote Leuchte und roter Rückstrahler am äußersten Ende der Ladung.
- Achslasten & Gesamtmassen: Zulässige Werte in den Papieren beachten; Ladung so verteilen, dass Achsen nicht überlastet werden.
- Reifen & Luftdruck: Müssen zur Last passen; korrekter Druck verbessert Fahrstabilität und Bremsleistung.
4) Bremsen, Lenkstabilität, Fahreindruck
- Bremsweg: Mit hoher Masse und ungesicherter/hoch gestapelter Ladung wird der Zug instabil – zuerst sichern, dann losfahren.
- Lenk-/Fahrstabilität: Hoher Schwerpunkt (z. B. Ballen oben) → stärkere Wankbewegungen, Kippgefahr in Kurven. Kurven weit und mit reduziertem Tempo fahren.
- Gespannverhalten: Zu geringe Stützlast/lose Ladung → Schlingern. Gegenmaßnahme: Tempo senken, Ladung nachjustieren, Stützlast prüfen.
- Bergab: Motorbremse nutzen; keine abrupten Brems‑/Lenkmanöver mit hoher Ladung.
5) Abmessungen, Sicht, Kennzeichnung
- Sicht & Spiegel/Kameras: Vor Abfahrt so einstellen, dass die volle Breite und das Zugende sichtbar sind; ggf. Zusatzspiegel.
- Beleuchtung/Reflexion: Wenn Ladung Heckleuchten/Nummernschild verdeckt → Zusatzleuchten/ Zusatzkennzeichen montieren.
- Überbreite/Überlänge: Tempo anpassen, passende Strecken wählen; ggf. Genehmigung/ Begleitung erforderlich (Betrieb vorher planen).
- Arbeits‑ zu Transportstellung: Anbaugeräte verriegeln/absenken; Ladungslage für Straße sichern.
6) Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Nur „ein bisschen“ Gurten: Einzelne Gurte ohne Rutschhemmung bringen wenig → immer Matten, Kantenschoner und ausreichend Zurrpunkte nutzen.
- Lücken lassen: Hohlräume begünstigen Rutschen/Kippen → ausfüllen oder Formschluss herstellen.
- Überstand falsch markiert: Ragt die Ladung hinten > 1,0 m über die Rückstrahler hinaus → am Tag rot markieren, nachts/bei schlechter Sicht zusätzlich rotes Licht & Reflektor.
- Beleuchtung verdeckt: Ohne Zusatzleuchten/‑schild fahren → unzulässig und gefährlich.
- Frontlader hoch mit Last: Sehr hoher Schwerpunkt → Kipp‑/Nickgefahr → Lader absenken, langsam fahren.
- Kontrolle vergessen: Gurte setzen und nie nachspannen → nach kurzer Strecke prüfen und ggf. nachziehen.
Prüfungskern (Merksatz)
„Ladung sichern – nichts darf rutschen, kippen oder fallen. Vorne erst über 2,5 m Höhe bis 50 cm erlaubt. Hinten 1,5 m, bei ≤ 100 km 3,0 m – ab > 1,0 m: rote Kennzeichnung, nachts mit Licht/Reflektor. Gesamt: max. 2,55 m breit, 4,0 m hoch (Lw‑Ausnahmen beachten).“
Praxis‑Drill „Ladung fix & richtig“ (3–5 Min.)
- Ladegut und Hilfsmittel planen (Form, Gewicht, Schwerpunkt, Matten/Kantenschoner/Zurrmittel).
- Formschluss herstellen, Hohlräume schließen, schweres nach unten/ nach vorn zur Prallwand.
- Zurren passend wählen (Nieder‑/Direktzurren), Gurte schützen und sauber führen.
- Kennzeichnung prüfen: Überstand? Beleuchtung/Nummernschild frei? Zusatzleuchten nötig?
- Nach 5–10 Min. Fahrt anhalten: Kontrolle und Nachspannen.
- [ ] Zurrpunkte intakt, Hilfsmittel vollständig
- [ ] Formschluss/Rutschhemmung hergestellt
- [ ] Ausreichend und korrekt gezurrt
- [ ] Kennzeichnung/Beleuchtung gemäß Überstand
- [ ] Nachspann‑Check erledigt
Sinnvolle Medien zum Einbau
- Fotokarten/Poster: Richtige/fehlerhafte Ladungssicherung; Kennzeichnung von Überstand; Beispiele Ballentransport, Paletten, Rohre.
- Kurzvideos (30–60 s): Niederzurren richtig, Direktzurren diagonal, Nachspann‑Check nach wenigen km.
- Hof‑Demo: Bremsprobe mit schlecht vs. korrekt gesicherter Ladung (Kontrast im Fahreindruck/ Bremsweg).
- Checkkarten/QR: „Ladung in 5 Schritten sichern“ für die Kabine (Fahrschule Eling).
Kleine Übungsfragen
- Wie stellst du Formschluss her – und warum ist er so wichtig?
- Ab wann und wie musst du eine nach hinten überstehende Ladung kennzeichnen?
- Welche Unterschiede gibt es zwischen Niederzurren und Direktzurren – wann setzt du was ein?
- Welche Punkte prüfst du nach den ersten gefahrenen Kilometern?
- Was unterscheidet Ladung von Anbaugeräten – nenne je zwei Beispiele.