4. Wirkung von Kräften beim Fahren

Wirkung von Kräften beim Fahren

4.1 Kraftschluss, Reibung, Rollwiderstand


1) Wichtige Begriffe – kurz & klar

2) Was beeinflusst deinen Grip?

3) Rechnen, aber praxisnah

Beispiel 50 km/h (≈ 13,9 m/s, Reaktion 1 s ≈ 14 m):

Rollwiderstandskraft: \( F_{rr} = c_{rr}\, m\, g \). Beispiel 12 t: Straße (0,02) ≈ 2,4 kN; Feld (0,08) ≈ 9,4 kN → deutlich mehr Zugkraft/Verbrauch nötig.

4) Schritt‑für‑Schritt: So holst du sicheren Grip heraus

  1. Vor Fahrtbeginn: Reifen auf Schäden/Profil prüfen, Luftdruck nach Einsatz (Straße/Feld) einstellen; Ladung/Stützlast korrekt verteilen.
  2. Anfahren/Traktion: Sanft einkuppeln, ggf. 4WD/Quersperre kurz zuschalten. Auf Asphalt ohne Sperre fahren.
  3. Bremsen: Geradeaus stark = ok; in Kurven vorher Tempo rausnehmen, dann lenken. ABS hält Lenkbarkeit – trotzdem Pedal stetig drücken (nicht pumpen).
  4. Lenken: Weiche, frühe Lenkimpulse. Wenn es rutscht: Fuß vom Gas/Bremse lösen und Fahrzeug stabilisieren.
  5. Saubere Fahrbahn: Erd-/Silagereste sofort sichern/beseitigen (Eigenverantwortung, Betriebspflicht).

5) Häufige Fehler – und die bessere Lösung


Prüfungskern (Merksatz)

„Grip ist begrenzt. Ich teile ihn klug: erst bremsen, dann lenken, sanft fahren. Reifen/Luftdruck und saubere Fahrbahn bringen Sicherheit – Tempo passe ich dem μ an.“

Praxis‑Drill „Nassbremsung & Ausweichen“ (3–4 Min.)
  1. Auf nasser Strecke 40 km/h → früh vom Gas, gerade kräftig bremsen.
  2. Lenkhaken setzen (Ausweichen) mit halbem Bremsdruck → Grip‑Kuchen spürbar machen.
  3. Nach Stabilisierung wieder sanft beschleunigen; Spiegel/Ladung prüfen.

Sinnvolle Medien zum Einbau

Kleine Übungsfragen

 

4.2 Auswirkungen unterschiedlicher Ladungen



1) Grundlagen – warum „gleiche Masse“ nicht gleich „gleiches Risiko“ ist

2) Typische Ladungen und ihre Fahrauswirkungen

Ladungstyp Typische Effekte Risiken Fahr- & Sicherungsstrategie
Kompakt-schwer (z. B. Big Bags, Maschinen) Hohe Gesamtmasse, oft tief liegender Schwerpunkt Längere Bremswege bei schwacher Anhängerbremse; Vorderachse evtl. zu leicht Bremsprobe; ALB/Anhängerbremse prüfen; ausreichende Stützlast; form‑ & kraftschlüssig zurren
Hoch gestapelt (Ballen, Kisten) Schwerpunkt wandert nach oben Kippgefahr in Kurven/Schrägfahrt, Seitenwindempfindlichkeit Kurventempo stark reduzieren; weiche Lenkung; Niederzurren (Diagonal-/Niederzurren); Stapelhöhen beachten
Schüttgut (Getreide, Sand, Silage) Setzen/Nachrutschen, wandernder Schwerpunkt Lastwechsel beim Bremsen; Rieselverlust verschmutzt Fahrbahn Bordwände/Planen schließen; gleichmäßig beladen; §32 beachten (sofort reinigen)
Flüssigkeiten (Gülle/Wasser) – Teilfüllung Schwallbewegung längs/quer „Nachschieben“ beim Bremsen, Aufschaukeln, Kippneigung Möglichst „leer oder voll“; Schwallwände nutzen; sehr vorausschauend bremsen und lenken
Langgut (Stangen, Stammholz) Langer Überstand, veränderte Lastverteilung Ausschwenken beim Abbiegen; Sichtbehinderung Überstand vorschriftsgemäß kennzeichnen; Zurrpunkte über die Länge verteilt; große Radien fahren
Lebende Ladung (Tiere) Schwerpunkt verlagert sich permanent Plötzliche Lastwechsel; Stress bei Tieren Sanfter Fahrstil; weites Abstandhalten; rutschhemmender Boden; Lüftung beachten
Front-/Heckanbaugeräte Achslasten ändern sich stark Lenkeinfluss, Bremsbalance, Sicht Passende Ballastierung; Transportstellung sichern; ggf. 4WD zuschalten; Tempo anpassen

Hinweis: Exakte Stützlast-/Achsgrenzen und Zurrkräfte entnimmst du immer den Typenschildern/Unterlagen von Traktor, Anhänger und Zurrmitteln.

3) Fahrdynamik – was verändert sich konkret?

4) Schritt-für-Schritt: Einstellungen und Fahrstil anpassen

1) Vor Fahrtbeginn

2) Losfahren/Anfahren

3) Bremsen und Kurven

4) Gefälle und Seitenwind

5) Nach der Fahrt

5) Häufige Fehler – und bessere Lösungen


Prüfungskern (Merksatz)

„Ladung bestimmt das Fahrverhalten: Schwerpunkt tief, Last gut verteilt, Stützlast passend. Ich fahre vorausschauend – erst Tempo raus, dann lenken. Anhängerbremse muss mitarbeiten, Fahrbahn bleibt sauber.“

Kleine Übungsfragen

  1. Welche drei Fahrwerksgrößen verändern sich durch hohe, schmale Stapelware?
  2. Warum verlängert eine Teilfüllung im Tank deinen Bremsweg?
  3. Wie bemerkst du zu wenig Stützlast – und was stellst du um?
  4. Nenne zwei Maßnahmen, um Rieselverluste/Verunreinigungen zu verhindern.
  5. Was prüfst du an der Anhängerbremse vor jeder Fahrt?

 

4.3 in Steigungen und Gefällen


1) Physik am Berg – was passiert?


2) Technik bergab – sicher und materialschonend

  1. Vor dem Gefälle
    • Schauen (Weitblick, Gegenverkehr, Ausweichräume), schalten (frühzeitig niedrigen Gang wählen), absichern (Abstand vergrößern).
    • Motorbremse nutzen: bei Schaltgetriebe niedriger Gang; bei CVT/Lastschaltgetriebe „Hold“/„Engine Brake“/Zapfwelle nicht missbrauchen.
    • Allrad bei geringer Geschwindigkeit und schlechter Haftung vor dem Gefälle zuschalten; Diff‑Sperren nur bei gerader Fahrt nutzen, vor Kurven lösen.
  2. Im Gefälle
    • Tempo mit Motorbremse halten; Servicebremse nur kurz und kräftig dosieren (Intervall), um Überhitzung zu vermeiden.
    • Nie mit getretener Kupplung rollen lassen (Freilauf = keine Motorbremse, Gefahr des „Davonlaufens“).
    • Blickführung weit, Lenkimpulse ruhig; keine Lastwechsel in Kurven.
  3. Nach dem Gefälle
    • Bremsen nicht „riechen“ lassen – ggf. kurze Abkühlpause.
    • Allrad, Sperren wieder aus – außer es bleibt rutschig/abseits der Straße.

3) Technik bergauf – kraftvoll ohne Durchdrehen

  1. Vor der Steigung
    • Gang so wählen, dass du ohne Nachschalten hochkommst; Schwung nutzen, aber angepasst.
    • Reifendruck/Traktion prüfen; Allrad ggf. vorher zu, Sperren nur bei Geradeausfahrt.
  2. Im Anstieg
    • Konstant Gas; keine hektischen Schaltvorgänge. Bei CVT: Zugkraftregelung „stabil“.
    • Wenn Räder durchdrehen: Gas minimal zurück, notfalls kurz anhalten und neu anfahren.
  3. Berganfahren (mit Anhänger)
    • Fußbremse halten, Zug aufbauen (Kupplung bis Schleifpunkt), dann Bremse lösen und sauber einkuppeln.
    • Mit Handbremse/Anfahrhilfe („Hill‑Hold“) arbeiten, wenn vorhanden. Kein langes Kupplungsschleifen → Überhitzung!

4) Besonderheiten mit Anhänger


5) Winter, Nässe, Feldwege


6) Häufige Fehler – und bessere Lösungen


Prüfungskern (Merksatz)

„Vor dem Berg entscheiden: Gang wählen, Tempo runter, Blick weit. Bergab trägt die Motorbremse, ich bremse nur kurz und kräftig. Bergauf ohne Hektik, sauber anfahren. Anhänger bremst mit – Fahrzeuge am Berg immer sicher gegen Wegrollen sichern.“


Kleine Übungsfragen

  1. Warum ist Dauerbremsen bergab gefährlich und wie vermeidest du es?
  2. Wie bereitest du dich vor einer langen Gefällestrecke mit Anhänger vor?
  3. Erkläre den Unterschied im Fahrverhalten bei voller vs. teilgefüllter Tonne bergab.
  4. Welche Schritte gehören zum sicheren Berganfahren mit Anhänger?
  5. Wann schaltest du Allrad/Differentialsperren ein – und wann wieder aus?

 

4.4 Luftwiderstand, Seitenführungskraft, Fliehkraft



1) Luftwiderstand – „der unsichtbare Gegner“ ab Tempo 40–60 km/h

Tipps gegen zu viel Luftwiderstand


2) Seitenführungskraft – wie Reifen dich „in der Spur“ halten

Grip-Fallen und Gegenmittel


3) Fliehkraft – der „Drang nach außen“ in der Kurve

Verdoppelt sich die Geschwindigkeit - vervierfacht sich die Fliehkraft

Sicher durch die Kurve


4) Hoher Schwerpunkt – Sonderregeln für Ballen, Kisten, Frontlader


5) Seitenwind – wenn’s am Lenkrad zupft


Häufige Fehler – und bessere Lösungen


Prüfungskern (Merksatz)

„Tempo kostet Grip und Stabilität: Vor der Kurve bremsen, in der Kurve ruhig lenken, nachher sanft ziehen. Hohe Ladung = Tempo weiter runter, Frontlader tief, Seitenwind ernst nehmen.“



Kleine Übungsfragen

  1. Warum ist 60 km/h mit hoher, kantiger Ladung oft keine gute Idee?
  2. Wie verteilst du Bremsen und Lenken, damit die Reifen nicht überfordert werden?
  3. Welche drei Maßnahmen reduzierst du bei Seitenwind sofort?
  4. Welche Fehlerquelle entsteht bei teilgefüllten Tanks/Fässern in Kurven?
  5. Wie führst du den Frontlader, um die Kippgefahr zu verringern?

 

4.5 Kippmomente



1) Grundidee – warum kippt ein Fahrzeug?


2) Typische Kipp-Situationen mit Traktor


3) Was begünstigt Kippen – was hilft dagegen?

Begünstigend

Schützend


4) Fahrstrategie – so vermeidest du Kippmomente


5) Notfall: drohendes Kippen – was jetzt?


6) Mini‑Beispiele aus der Praxis


Prüfungskern (Merksatz)

„Kippmomente entstehen durch Tempo, Höhe und Schräglage. Daher: Last tief und nah, Spur breit, vor der Kurve bremsen, in der Kurve ruhig. Mit hoher Ladung lieber deutlich unter 60 km/h.“



Kleine Übungsfragen

  1. Nenne drei Situationen, in denen das Kippmoment am Traktor besonders groß wird.
  2. Welche zwei Maßnahmen senken das Kipp­risiko beim Arbeiten mit dem Frontlader sofort?
  3. Warum sind Teilfüllungen in Tanks problematisch in Kurven?
  4. Wie wirkt sich zu geringe Stützlast auf das Fahrverhalten in der Kurve aus?
  5. Was tust du, wenn du in einer Kurve merkst, dass das Fahrzeug zum Kippen neigt?